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Puppy Play – Fetisch, Hobby oder etwas dazwischen?

Nach der Cologne Pride 2026 flammte sie mal wieder auf: die Diskussion darüber, ob Fetisch auf einem CSD etwas verloren hat. Zwischen sachlichen Argumenten und hitzigen Kommentaren ging dabei ein Begriff immer wieder unter den gleichen Sammelbegriff: Puppy Play.


Je länger ich die Diskussion verfolgte, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass beide Seiten versuchen, ein Thema in eine Schublade zu stecken, die dafür eigentlich zu klein ist. Denn aus meiner Sicht ist die entscheidende Frage gar nicht, ob Puppy Play ein Fetisch ist oder kein Fetisch.


Die spannendere Frage lautet:

Kann es vielleicht beides sein?


Die Schublade


Ich kann gut nachvollziehen, warum viele Menschen Puppy Play zunächst mit Sexualität verbinden. Schließlich begegnet man Masken, Halsbändern oder Tails oft im gleichen Atemzug wie Leder, BDSM oder anderen Fetisch-Communities. Wer noch nie Berührungspunkte damit hatte, zieht schnell eine Verbindung.

Das Problem ist nur: Diese Verbindung erklärt längst nicht alles.


Puppy Play ist kein klar abgegrenztes Konzept. Es gibt nicht das eine Puppy Play und auch keine Gebrauchsanweisung, wie man es "richtig" lebt. Jeder Pup hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Beweggründe und seine eigene Art, die Rolle auszuleben.


Warum ich ein Pup bin


Wenn ich die Hood aufsetze, werde ich nicht zu einem anderen Menschen.

Ich werde eher zu einer Version von mir selbst, die weniger darüber nachdenkt, was andere erwarten.


Verspielter. Neugieriger. Manchmal albern. Manchmal einfach nur ruhig.


Für mich geht es um Gemeinschaft, Vertrauen und darum, für einen Moment den Alltag hinter mir zu lassen. Ich liebe es, Menschen kennenzulernen, auf CSDs Fragen zu beantworten oder mit anderen Pups einfach gemeinsam herumzualbern.

Nicht alles braucht einen tieferen Sinn. Manchmal reicht auch ein freundlicher Boop auf die Schnauze.


Und der Fetisch?


Natürlich gibt es ihn. Es wäre unehrlich, das abzustreiten.


Für viele Menschen der Community ist Puppy Play Teil ihrer Sexualität. Daran ist überhaupt nichts falsch. Sexualität gehört genauso zur Vielfalt unserer Community wie alles andere auch.


Aber genauso gibt es Menschen, für die Puppy Play fast ausschließlich ein soziales Hobby ist. Manche treffen sich zu Stammtischen, andere zum Grillen, für Fotoshootings oder Community-Events. Wieder andere mögen einfach das Gefühl, für eine Weile in eine andere Rolle zu schlüpfen.


Und die meisten? Wahrscheinlich bewegen sie sich irgendwo dazwischen.

Genau deshalb halte ich wenig davon, Puppy Play ausschließlich als Fetisch oder ausschließlich als Hobby bezeichnen zu wollen. Beides wird der Realität nicht gerecht.


Warum mir diese Unterscheidung wichtig ist


In den letzten Jahren habe ich oft erlebt, dass Menschen ihre Meinung bereits gebildet hatten, bevor überhaupt ein Gespräch entstehen konnte.


"Puppys? Das ist doch nur etwas Sexuelles."


Nach fünf Minuten Unterhaltung klang dieselbe Person plötzlich deutlich neugieriger. Nicht, weil ich jemanden überzeugen wollte, sondern weil plötzlich Platz für Zwischentöne da war.


Ich glaube, viele Vorurteile entstehen nicht aus bösem Willen, sondern aus fehlenden Begegnungen. Wenn die einzige Information aus reißerischen Schlagzeilen oder Social Media stammt, bleibt eben nur ein kleiner Ausschnitt übrig.


Müssen Puppys auf einem CSD sichtbar sein?


Für mich lautet die Antwort klar: Ja.


Nicht weil jeder Puppy Play verstehen oder mögen muss. Sondern weil Pride schon immer davon gelebt hat, Vielfalt sichtbar zu machen.

Sichtbarkeit bedeutet dabei nicht, alles ungefiltert öffentlich auszuleben. Zwischen "Fetischausrüstung" und sexuellen Handlungen besteht ein erheblicher Unterschied. Ein Lederharness, eine Hood oder ein Tail erzählen zunächst einmal nichts darüber, was jemand im Schlafzimmer tut – genauso wenig wie ein Motorradkombi verrät, wie jemand seine Freizeit verbringt.


Ich habe auf CSDs unzählige positive Begegnungen erlebt. Kinder winken, Erwachsene stellen Fragen und viele möchten einfach wissen, warum wir bellen, mit dem Schwanz wedeln oder uns gegenseitig boopen. Ehrlich gesagt: Das sind meist ziemlich schöne Gespräche.


Mein Fazit


Ich wünsche mir, dass wir aufhören, Puppy Play in eine einzige Schublade stecken zu wollen.


Für manche ist es Fetisch. Für andere ein Hobby. Für viele beides.


Und genau das ist völlig in Ordnung. Denn am Ende geht es für mich nicht darum, wie jemand Puppy Play definiert.

Entscheidend ist, wie wir alle miteinander umgehen: respektvoll, offen und neugierig.


Oft beginnt Verständnis nicht mit einer perfekten Erklärung, sondern mit einer einfachen Frage. Oder, um es in der Sprache der Community zu sagen könnten:

"Darf ich mal boopen?"


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© Pup Snufkin

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