Was ist Pupplay für mich?
- Pup Snufkin

- 13. Juni
- 4 Min. Lesezeit

Wenn mich jemand fragt, was Puppy Play für mich ist, denke ich inzwischen immer zuerst: Na super. Ausgerechnet diese Frage.
Nicht, weil ich sie nicht beantworten möchte. Sondern weil mein Gehirn in diesem Moment beschliesst, sämtliche Definitionen gleichzeitig aus dem Regal zu werfen und quer im Wohnzimmer zu verteilen.
Hobby? Ja. Fetisch? Manchmal. Community? Definitiv. Künstlerischer Ausdruck? Vermutlich auch. Rückzugsort? Irgendwie schon. Und spätestens jetzt merke ich, dass ich seit fünf Minuten rede, ohne die eigentliche Frage beantwortet zu haben.
Das passiert übrigens erstaunlich häufig.
Früher habe ich stundenlang Flugzeuge fotografiert. Irgendwann fragte mich jemand, warum ausgerechnet Flugzeuge. Eine berechtigte Frage, eigentlich. Ich holte tief Luft und begann, über Typen, Bemalungen, Triebwerke, Lichtstimmungen und den Moment kurz vor dem Abheben zu sprechen. Nach ungefähr zehn Minuten unterbrach mich mein Gegenüber mit einem freundlichen: "Ja... aber warum magst du sie?"
Gute Frage.
Bis heute weiss ich nicht, ob ich damals überhaupt eine Antwort gegeben habe.
Vielleicht ist genau das mein Problem. Ich versuche ständig, Dinge zu verstehen, die sich manchmal viel einfacher anfühlen, als sie sich erklären lassen.
Mit Puppy Play ist es ähnlich.
Die einfache Antwort wäre: Es ist mein Hobby.
Und objektiv betrachtet spricht einiges dafür. Ich fahre an Events, plane Fotoshootings, freue mich über neue Ausrüstung und diskutiere wahrscheinlich länger über die Farbe eines Halsbandes, als andere Menschen für den Kauf eines Autos benötigen.
Ja, das ist vielleicht leicht übertrieben.
Vielleicht.
Trotzdem fühlt sich das Wort Hobby irgendwie zu klein an. So, als würde man eine Kathedrale als "Gebäude mit Dach" beschreiben. Technisch gesehen stimmt das. Es fehlt nur fast alles, was sie besonders macht.
Die Hood zum Beispiel.
Objektiv betrachtet ist sie ein Stück Neopren.
Subjektiv scheint sie allerdings Eigenschaften zu besitzen, die sich jeder naturwissenschaftlichen Erklärung entziehen.

Eigentlich müsste ich mich darunter beobachteter fühlen. Schliesslich laufe ich mit einer Hundemaske, einem Tail und einem Halsband durch die Gegend. Wenn überhaupt, müsste mein Gehirn Alarm schlagen.
Tut es aber nicht.
Im Gegenteil.
Es wird erstaunlich ruhig.
Nicht komplett. So realistisch wollen wir dann doch bleiben. Irgendein Teil meines Gehirns analysiert vermutlich immer noch die Situation, den Bildaufbau oder die Frage, warum genau dieser Baum dort eigentlich schief gewachsen ist.
Aber die andere Stimme... die wird leiser.
Die, die ständig darüber nachdenkt, ob man gerade richtig wirkt. Ob man sich angemessen verhält. Ob andere wohl komisch schauen.
Sie macht plötzlich Pause.
Und ich habe bis heute keine wirklich gute Erklärung dafür.
Vielleicht suche ich deshalb so ungern nach einer Definition.
Definitionen tun so, als gäbe es eine einzige richtige Antwort. Meine Erfahrung ist eher das Gegenteil.
Manche Menschen erleben Puppy Play fast ausschliesslich zu Hause. Andere überhaupt nicht. Für einige ist es eine kreative Ausdrucksform, für andere ein sozialer Anker. Ich habe Pups kennengelernt, die mit glänzender Latex-Hood auf Events gehen, und solche, die sich in einer flauschigen Hood einfach freuen wie ein Hund über den ersten Schnee.
Und weisst du was?
Keine dieser Varianten erscheint mir richtiger als die andere.
Vielleicht fällt es mir deshalb auch so leicht, Fragen zu beantworten. Nicht, weil ich glaube, die Antwort zu kennen. Sondern weil ich inzwischen akzeptiert habe, dass meine Antwort eben nur meine ist.
Ich kann erzählen, warum ich gerne fotografiere. Warum ich manchmal das Gefühl habe, dass eine Hood paradoxerweise mehr zeigt als versteckt. Warum ich nach einem Community-Treffen oft mit deutlich mehr Energie nach Hause fahre, als ich vorher hatte.

Ich kann aber nicht erzählen, was Puppy Play für jemand anderen bedeutet.
Und ehrlich gesagt finde ich genau das ziemlich schön.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr erinnert mich das Ganze an Architektur.
Von aussen sieht man Beton, Glas und Stahl.
Man könnte sagen: "Das ist ein Gebäude."
Stimmt.
Aber wer schon einmal in einer Kathedrale gestanden hat oder einen Raum betreten hat, der sich einfach richtig angefühlt hat, weiss, dass die eigentliche Wirkung nicht in den Materialien entsteht. Sondern in dem, was sie in einem auslösen.
Vielleicht ist Puppy Play für mich genau das.
Von aussen sieht man eine Hood.
Ich erlebe etwas völlig anderes.
Und vielleicht besteht die ehrlichste Antwort auf die Frage, was Puppy Play für mich ist, genau darin, dass ich sie bis heute nicht vollständig beantworten kann.
Früher hätte mich das wahrscheinlich gestört.
Heute finde ich den Gedanken irgendwie beruhigend.
...auch wenn ein kleiner Teil meines Gehirns gerade ernsthaft überlegt, ob sich daraus nicht doch noch ein hübsches Flussdiagramm bauen liesse.
Vielleicht wird dieser Teil von mir nie ganz verschwinden.
Und das ist auch in Ordnung.
Denn während mein Kopf noch nach Definitionen sucht, habe ich über die letzten Jahre etwas anderes gelernt.
Ich habe gelernt, dass Puppy Play mir einfach gut tut. Dass ich dabei Dinge über mich entdecke, die ich vorher nie bewusst wahrgenommen habe. Dass ich mich auf Community-Treffen jedes Mal auf bekannte und neue Gesichter freue. Dass aus einem freundlichen Boop manchmal ein stundenlanges Gespräch entsteht und aus einer zufälligen Begegnung eine Freundschaft.
Vor allem aber habe ich gelernt, dass nicht alles bis ins letzte Detail erklärt werden muss.
Manche Dinge dürfen einfach Freude machen.
Manche Dinge dürfen sich einfach richtig anfühlen.
Und vielleicht ist genau das die ehrlichste Antwort, die ich auf die Frage „Was ist Puppy Play für mich?“ geben kann.
Nicht eine Definition.
Sondern ein Gefühl von Freiheit.



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